Bitte teilen: Zeitzeugen gesucht – Padingbüttel 1944

Waltraud Mischorr an ihrem zweiten Geburtstag am 23. August 1944 in einem Garten in Padingbüttel – blondes Kleinkind im weißen Sommerkleid mit Teddybär, vor einer Hecke und einer hellen Hauswand
Waltraud Mischorr, zweijährig, an ihrem Geburtstag am 23. August 1944 in Padingbüttel. Handschriftlich vermerkt von ihrer Mutter Henni Mischorr im Familienalbum: „Mein Geburtstag 1944 in Padingbüttel – alten Deich". (Foto: privat / Familie Miehe)

Im Sommer 1944 feiert ein kleines, blondes Mädchen in einem Bauerngarten in Padingbüttel seinen zweiten Geburtstag. Es trägt ein weißes Kleid, hält einen Stoffteddy im Arm und lacht in die Kamera. Was das Foto nicht verrät: Das Kind und seine Mutter sind hierher geflüchtet – aus einer zerbombten Stadt. Einundachtzig Jahre später sucht die Tochter dieses Mädchens genau diesen Hof. Vielleicht kennt ihn jemand aus unserer Leserschaft.

Gesucht: Der Hof in Padingbüttel 1944/45

Wer sucht
Birgit Miehe (Potsdam), für ihre heute 83‑jährige Mutter Waltraud
Gesuchter Ort
Der Hof in Padingbüttel, auf dem Henni und Waltraud Mischorr zwischen 1944 und Kriegsende 1945 einquartiert waren
Mögliche Adressen
Padingbütteler Altendeich 69a oder Padingbütteler Strich 88 (alte Hausnummerierung / Konskriptionsnummern)
Name der Hofbesitzerin
„Tante Siats" – in Waltrauds Erinnerung auch „Siers" oder „Sierks". Ältere Frau mit Gehstock, vermutlich die Altbäuerin
Weitere Einquartierte
Familie Leitner aus Bremerhaven mit mehreren Kindern
Hinweise bitte an
info@land-wursten.de – wir leiten alle Zuschriften vertraulich an die Familie Miehe weiter

Eine Tochter sucht für ihre Mutter einen Ort, der vielleicht noch steht

Birgit Miehe ist Tochter von Waltraud, Enkelin von Henni Mischorr. Im April dieses Jahres meldet sie sich bei der Redaktion von land-wursten.de: Ob es den Hof vielleicht noch gebe, auf dem ihre Mutter und Großmutter in den letzten Kriegsmonaten untergekommen sind? Ihre Mutter sei „sehr interessiert daran, den Hof noch mal zu sehen, sofern er noch existiert".

Was zunächst nach einer einfachen Frage klingt, stellt sich schnell als geduldsame Spurensuche heraus. Die Mutter war damals ein Kleinkind. Die Großmutter hat die Geschichte kaum erzählt. Die Briefe aus jener Zeit, die Birgit im Nachlass findet, haben abgelöste Briefmarken – und mit den Briefmarken ist auch der Poststempel verschwunden, der die genaue Adresse verraten hätte. Geblieben sind: zwei Straßennamen, eine Handvoll Fotos, ein paar Namen und die Erinnerungsfragmente einer Frau, die damals zwei Jahre alt war.

Zwei Adressen – und beide gibt es so nicht mehr

In den Familienunterlagen finden sich zwei Angaben: Padingbütteler Altendeich 69a und Padingbütteler Strich 88. Welche Adresse wann galt, ist unklar. Birgit Miehe hat beide Straßen während eines Aufenthaltes in Dorum-Neufeld mit dem Fahrrad abgefahren – und stellt fest: Unter diesen Nummern existieren die Höfe heute nicht mehr.

Das liegt nicht zwangsläufig daran, dass die Gebäude verschwunden sind. Bis 1945 war es auf dem Land üblich, Häuser nicht nach Straßenzügen, sondern nach einem dorfweiten Turnus zu nummerieren – den sogenannten Konskriptionsnummern. Die Nummern liefen, beginnend meist bei der Kirche oder einem markanten Punkt, einmal durch das gesamte Dorf, unabhängig davon, an welcher Straße das Haus stand. Mit der Gebietsreform und der Umstellung auf straßenbezogene Hausnummern wurde die alte Zählung ersetzt. Die Nummern 69a und 88 von 1944 haben mit der heutigen Hausnummerierung an Padingbütteler Altendeich und Padingbütteler Strich also nichts mehr zu tun.

Es besteht die Möglichkeit, über die Gemeinde Wurster Nordseeküste die alte Zuordnung zu erfragen. Birgit Miehe hat diese Anfrage inzwischen auf den Weg gebracht. Bis eine Antwort vorliegt, bleibt die Suche auf Erinnerungen, Fotos und das Gedächtnis der Nachbarschaft angewiesen.

Der Sommer 1944 in Padingbüttel: Was Waltraud erinnert

Waltraud Mischorr als Zweijährige auf einer Marschweide in Padingbüttel im Sommer 1944, mit ausgestreckter Hand zu einer Kuh, im Hintergrund eine Frau in Kittelschürze und eine Baumreihe entlang eines Marschgrabens
Mutig auf der Weide: Die zweijährige Waltraud streckt die Hand nach einer Kuh aus; eine der Frauen aus dem Hofkreis sieht zu. Im Hintergrund die für die Wurster Marsch typische Baumreihe entlang eines Grabens. Sommer 1944. (Foto: privat / Familie Miehe)

Waltraud Mischorr, geboren am 23. August 1942, ist beim Einzug in Padingbüttel knapp zwei Jahre alt. Sie ist in jenem Alter, in dem Erinnerungen beginnen, sich festzusetzen – und in dem sie sich zugleich nur schwer von späteren Erzählungen der Eltern trennen lassen. Ihre Tochter sagt das selbst ganz offen: „Inwieweit das jetzt Erinnerungen meiner Mutter oder Erzählungen meiner Oma waren, kann ich nicht sagen."

Geblieben sind einzelne, klare Bilder: Ein Garten. Ein kleiner Graben, an dem das Kind verbotenerweise spielte – „aber Gräben gibt es hier ja an jedem Hof", fügt die Tochter lakonisch hinzu. Kühe auf der Weide. Hühner und Enten auf dem Hof. Andere Kinder, die älter waren als sie. Eine strenge ältere Frau mit Gehstock, vor der das Kleinkind sich fürchtete. Und über allem der Lärm der Tiefflieger.

„Tante Siats" – die Hofbesitzerin mit dem Gehstock

Die Frau, die dem Hof vorstand, nannte Waltraud „Tante Siats". Manchmal klingt es in der Erinnerung auch wie „Siers" oder „Sierks". Was ein Zweijähriges aus einem norddeutschen Familiennamen macht, ist notorisch unsicher – vor allem wenn die Sprache, die um sie herum gesprochen wird, Plattdeutsch mit deutlichen Küstenfärbungen ist. Klar ist nur: Die Frau war älter, sie war streng, sie hatte einen Stock, und sie hatte die Autorität einer Hofchefin.

Das passt zu einem Muster, das 1944 die Norm war: Die jungen Hofmänner waren an der Front. Wer die Höfe führte, waren die Bäuerinnen, die Altbäuerinnen, die zurückgekehrten Verwundeten, die Zwangsarbeiterinnen, die Kinder. Eine ältere Frau mit Stock – das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die Altbäuerin des Hofes gewesen. Die Mutter eines Bauern, der irgendwo in Russland, Frankreich oder auf dem Balkan Dienst tat, während sie selbst das Kommando in Stall, Küche und Garten führte.

Die zweite einquartierte Familie: Leitner aus Bremerhaven

Henni und Waltraud Mischorr waren nicht die einzigen, die auf diesem Hof Zuflucht fanden. In einem der Gebäude lebte zeitgleich eine Familie Leitner – ebenfalls aus Bremerhaven, mit mehreren Kindern, die etwas älter waren als Waltraud. Die Kinder sind auf mehreren Fotos im Album zu sehen: ein Junge in Lederhosen, zwei Mädchen mit Zöpfen und Schleifen, die sich mit der Kleinen im Heu tummeln.

Die Evakuierung ganzer Familien aus Bremerhaven ins ländliche Wurster Land war in den letzten Kriegsjahren Alltag. Bremerhaven als Marine- und Hafenstadt stand unter ständiger Luftangriffsbedrohung; die Wurster Marsch galt dagegen als vergleichsweise sicher – eine Einschätzung, die sich, wie sich zeigen wird, nur teilweise erfüllte. Höfe mit Wohnraum wurden offiziell mit Einquartierten belegt. Dass zwei Familien aus Bremerhaven auf einem Hof in Padingbüttel unterkamen, war also keine Ausnahme, sondern Teil eines geordneten Verteilungsverfahrens.

Der Graben, die Kühe und die Tiefflieger über dem Watt

Eine der eindringlichsten Erinnerungen Waltrauds ist keine Erinnerung an ein Bild, sondern an ein Geräusch – und an ein Handeln der Erwachsenen. Die Tiefflieger, die auf dem Rückweg aus dem Binnenland über die Küste zogen und ihre Restlast im Watt abwarfen.

Das war kein Zufall und kein Einzelfall. Alliierte Bomberverbände, die aus England kommend Norddeutschland anflogen, überquerten auf Hin- und Rückflug regelmäßig die Wurster Küste. Nicht abgeworfene Bomben wurden auf dem Rückweg häufig ins Watt oder in die Nordsee geworfen, um die Maschinen vor der Landung zu entlasten. Vom Padingbütteler Altendeich aus, nur wenige hundert Meter hinter dem Hauptdeich, war der Blick auf das Watt frei – das Kind und die Erwachsenen haben diese Szenen tatsächlich gesehen oder gehört.

Dass ausgerechnet diese Erinnerung haften blieb, ist kein Wunder: Ein Zweijähriges nimmt Lärm, Angst und die Reaktion der Erwachsenen intensiver auf als räumliche Details. Die Erwachsenen haben das Kind vermutlich mehrfach ins Haus geholt, wenn die Motoren am Himmel zu hören waren. Solche Momente brennen sich tiefer ein als der Weg zum Stall.

Spuren im Familienalbum: Was die Fotos zeigen

Das wertvollste Dokument, das Birgit Miehe aus dem Album ihrer Mutter abfotografiert hat, ist keines der Bilder selbst, sondern eine handschriftliche Zeile ihrer Großmutter Henni Mischorr auf der Albumseite: „Mein Geburtstag 1944 in Padingbüttel – alten Deich."

Seite aus dem Familienalbum Mischorr mit handschriftlicher Beschriftung in heller Tinte: Mein Geburtstag 1944 in Padingbüttel alten Deich, daneben das Geburtstagsfoto der kleinen Waltraud im Garten
Die handschriftliche Beschriftung aus dem Familienalbum der Mischorrs: „Mein Geburtstag 1944 in Padingbüttel – alten Deich." Zeitgenössisch notiert, vermutlich von Henni Mischorr. Diese Zeile datiert das Foto auf den 23. August 1944 und verortet es eindeutig am Padingbütteler Altendeich. (Foto: privat / Familie Miehe)

Diese Zeile ist eine zeitgenössische Primärquelle. Sie datiert das Foto auf den 23. August 1944 und verortet es eindeutig am Padingbütteler Altendeich. Das heißt: Für diesen Sommer ist die erste der beiden Adressen – Altendeich 69a – mit hoher Wahrscheinlichkeit die richtige. Ob Mutter und Großmutter später noch einmal umquartiert wurden, etwa an den Padingbütteler Strich, ist damit nicht ausgeschlossen. Einquartierungen wurden in den letzten Kriegsmonaten häufig umverteilt, wenn Höfe belegt oder Platzverhältnisse sich änderten.

Neben dem Geburtstagsfoto zeigen die Bilder vor allem die Kinder des Hofes und der Familie Leitner: Gruppen im Garten vor einer dichten Hecke, Szenen im Heu, Spiele mit Puppen und einem Teddy. Auf einem Bild steht Waltraud mit einem kleinen Jungen in Lederhosen und zwei älteren Mädchen vor einer hellen Hauswand mit Sprossenfenster. Im Hintergrund ist ein einfacher hölzerner Rankbogen oder ein Pergola‑Gerüst zu sehen, unter dem ein Weg in den Garten führt. Solche Holzkonstruktionen waren individuell gebaut – oft erkennen sich Höfe an genau solchen Details wieder.

Vier Kinder vor einem Hauseingang mit Sprossenfenster und einem hölzernen Rankbogen im Garten eines Padingbütteler Hofes im Sommer 1944. Waltraud Mischorr ist als Jüngste vorne mit einem Blumenstrauß zu sehen
Vier Kinder im Hofgarten, Sommer 1944 – Waltraud (vorne) mit drei älteren Kindern, vermutlich teils zur Familie Leitner gehörend. Im Hintergrund: der hölzerne Rankbogen, der noch heute ein Identifikationsmerkmal sein könnte. (Foto: privat / Familie Miehe)
Vier spielende Kinder bei der Heuernte auf dem Padingbütteler Hof, Sommer 1944, mit Puppe, Teddybär und einem hölzernen Trog im Hintergrund
Spielende Kinder bei der Heuernte – Waltraud (vorne rechts) mit Puppe, Teddy und den älteren Kindern aus dem Hofkreis. Im Hintergrund die typische Baumreihe an einem Marschgraben. (Foto: privat / Familie Miehe)

Die Klinkerscheune mit den Eulenlöchern – das stärkste Indiz

Von allen Fotos ist eines für die Identifikation des Hofes das wertvollste. Es zeigt Waltraud zusammen mit einer älteren Frau – vielleicht „Tante Siats", vielleicht auch eine andere Bewohnerin – vor einem Wirtschaftsgebäude. Im Vordergrund steht ein langer hölzerner Trog, Hühner picken am Boden. Im Hintergrund erhebt sich eine massive Backsteinwand, die mehrere ausgesprochen charakteristische Merkmale trägt:

Klinkerscheune in Padingbüttel mit drei runden Eulenlöchern, gemauerten Entlastungsbögen, Sägezahnfries unter dem Dach und einer Rundbogen-Holztür. Davor eine Frau mit der kleinen Waltraud Mischorr und Hühner am langen Holztrog, Sommer 1944
Die Scheunenwand des Hofes: rote Klinker, drei runde Eulenlöcher mit gemauerten Zierbögen, Sägezahnfries unter dem Dachansatz, Rundbogentür links. Solche Baudetails sind individuell und oft noch heute erkennbar – wer diesen Hof schon einmal gesehen hat, vergisst ihn nicht. (Foto: privat / Familie Miehe)

Zu sehen sind: drei bis vier runde Wandöffnungen – sogenannte Eulenlöcher oder „Uhlenflucht", kleine Einfluglöcher für Eulen, die auf den Höfen gegen Mäuse arbeiteten. Über den Öffnungen verlaufen kunstvoll gemauerte Entlastungsbögen mit Keilsteinen – ein Detail, das über den reinen Zweck hinausgeht und einen wohlhabenderen Hof oder eine bewusst gestaltete Anlage nahelegt. Unter dem Dachansatz zieht sich ein markanter Sägezahnfries aus vorstehenden Klinkersteinen. Die Holztür links wird von einem aufwendig gemauerten Rundbogen gekrönt.

Diese Kombination ist kein Zufallsprodukt. Sie verweist auf einen Bau des späten 19. oder frühen 20. Jahrhunderts – auf eine Zeit, in der man auch Wirtschaftsgebäude mit handwerklichem Stolz errichtete. Wer solch einen Hof einmal gesehen hat, erkennt ihn wieder. Selbst wenn das Gebäude heute nicht mehr steht, wäre es in den Bildarchiven der Heimatforschung und der Ortschroniken der Region gut dokumentierbar. Für alle Leserinnen und Leser, die in den Padingbütteler Höfen aufgewachsen sind oder dort zu tun hatten: Die Scheune mit den drei Eulenlöchern und dem Zickzackfries ist möglicherweise der Schlüssel zur ganzen Geschichte.

Henni und Waltraud Mischorr: Zwei Namen, die in Padingbüttel lebten

Die beiden Namen, die bei jeder Spurensuche auftauchen sollten, sind Henni Mischorr (die Großmutter) und Waltraud Mischorr (die Tochter, geboren am 23. August 1942). Beide waren in den Jahren 1944 und vermutlich bis Kriegsende 1945 in Padingbüttel gemeldet oder geduldet. Ob sie in Meldelisten, Einquartierungsunterlagen oder Kirchenbüchern der Kirchengemeinden auftauchen, ist offen – aber möglich.

Der Name Mischorr ist in der Region selten. Wer in seiner Familie, in Briefen von Großeltern, in Tagebuchnotizen oder in Hofunterlagen diesem Namen schon einmal begegnet ist, möge sich bitte melden. Selbst ein flüchtiger Vermerk – „bei Oma war eine Frau Mischorr mit ihrem Kind einquartiert" – wäre ein wichtiger Hinweis.

Warum die Erinnerungen einer Zweijährigen unsicher sind – und trotzdem helfen

Birgit Miehe geht mit den Erinnerungen ihrer Mutter bemerkenswert ehrlich um. Als Waltrauds Eltern sie neulich in Dorum-Neufeld besuchten, fuhren sie auch am Padingbütteler Strich vorbei, an einem Hof, der aus redaktionellen Gründen ohnehin in Vorbereitung auf ein Portrait steht. Waltrauds Eindruck: „Das kann auch genauso gut dort gewesen sein. Es war so ein großes Bauernhaus und mehrere kleine, in einem der kleinen hätten sie gewohnt."

Das passt zur typischen Struktur eines Marschhofs: das große Haupthaus, mehrere Nebengebäude, Altenteiler- oder Landarbeiterwohnungen. Einquartierte lebten in aller Regel nicht im Haupthaus, sondern in einem der kleineren Gebäude. Insofern ist die Aussage konsistent – ob sie sich nun auf den Altendeich oder auf den Strich bezieht, bleibt offen. Birgit Miehe sagt selbstkritisch: „Ich glaube, es ist auch fast nicht möglich, sich in dem Alter zu erinnern. Vielleicht haben meine Großeltern es ihr später mal gezeigt."

Das ist ein gesunder Skeptizismus. Aber er entwertet die Suche nicht. Denn das Geburtstagsfoto von 1944 trägt einen handschriftlichen Vermerk der Großmutter – und der ist eine zeitgenössische Aussage, nicht eine kindliche Rekonstruktion. Dass die Familie im Sommer 1944 am Padingbütteler Altendeich lebte, ist damit verbürgt. Der Strich kommt als spätere Station in Frage. Beide Spuren sind es wert, verfolgt zu werden.

Wer jetzt helfen kann: Jede Erinnerung zählt

Suchmeldungen wie diese leben vom Gedächtnis der Nachbarschaft. Kein Archiv, kein Heimatverein, keine Redaktion kann leisten, was ältere Padingbüttlerinnen und Padingbüttler leisten können – nämlich aus Erzählungen ihrer Eltern oder Großeltern erinnern, wer in jenen Jahren auf welchem Hof einquartiert war, welche Scheune das Eulenloch hatte, welche Altbäuerin mit Stock über den Hof gehumpelt ist.

Wir fragen dich deshalb ganz direkt: Erinnerst du dich an eine Familie Mischorr aus Bremerhaven, die 1944/45 auf einem Hof in Padingbüttel einquartiert war? Kennst du eine ältere Bäuerin jener Jahre, die im Dorf „Tante Siats", „Siers" oder „Sierks" genannt wurde? Hast du je von einer Familie Leitner gehört, die gleichzeitig im selben Hofensemble lebte? Hast du ein Foto, eine Postkarte, einen Brief, auf denen die alten Hausnummern Altendeich 69a oder Strich 88 auftauchen? Erkennst du die Klinkerscheune mit den drei Eulenlöchern?

Auch scheinbar beiläufige Beobachtungen helfen: „Bei meiner Urgroßmutter hat mal eine Frau mit einem kleinen Mädchen gewohnt, die Mischorr hieß" ist bereits eine Bestätigung. „Die Scheune mit den Eulenlöchern – das war doch der Hof von …" ist ein Riesensprung nach vorn. Die Redaktion sammelt alle Hinweise, prüft sie behutsam und leitet sie an die Familie Miehe weiter.

Erinnerst du dich? Schreib uns.

Jede Einzelheit hilft weiter – auch vermeintlich Kleines. Schreib uns, wenn du die Namen Mischorr oder Leitner kennst, wenn dir der Hof mit der Klinkerscheune etwas sagt oder wenn in deiner Familie eine ältere Bäuerin namens „Tante Siats" im Dorf lebte. Wir leiten alle Zuschriften vertraulich an Birgit Miehe weiter.

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